Aktuelles

Nachruf

Elgin Gärtner-Amrhein

* 28.11.1930

† 03.12.2018

 

Wir müssen Abschied nehmen von unserer sehr geschätzten ehemaligen, langjährigen Justiziarin Elgin Gärtner-Amrhein, die am 03.12.2018 kurz nach ihrem 88. Geburtstag gestorben ist. Sie stand unserer Gesellschaft lange Jahre sehr verantwortlich, mit großer Aufmerksamkeit und scharfem Blick für die juristischen Belange zur Seite. Mutig Verantwortung zu übernehmen zeichnete sie aus. In vielen Lindauer Gesprächen erzählte sie von ihrem bewegten Lebens- und Berufsweg. Familiär schon juristisch geprägt, studierte sie in München, Hamburg und Würzburg Staats- und Rechtswissenschaft, heiratete und gründete eine Familie. Beruflich besonders hervorzuheben ist ihre Wahl 1961 zur 1. Frau im Aufsichtsrat bei VW Wolfsburg. Sie war damals erst 30 Jahre alt. Elgin erzählte von dieser Zeit voller Stolz und mit Bescheidenheit, sie erinnerte sich an ihre Kämpfe für die sozialen Situationen und finanziellen Sicherheiten der Frauen, an ihre Tätigkeit als Verwaltungsleiterin mit der Verantwortung, die diese mit sich bringt, in der Sonnenbergklinik und natürlich an die Gespräche mit den Gründungsvätern unserer 'Internationalen Gesellschaft für Tiefenpsychologie' damals noch 'Arzt und Seelsorger'. Als Justiziarin hatte sie immer einen scharfen Blick und scheute sich nicht, ihr Wissen, in Hinblick auf die finanzielle Grundlage unserer Gesellschaft, engagiert im Blick zu haben.
Mir wird Elgin als sensible, mutige, zurückhaltende und kämpferische Frau in Erinnerung bleiben, als Pionierin für Frauenrechte. Für mich war sie eine wirkliche Dame, vor deren Lebensleistung ich Respekt habe. Jetzt kann sie uns nichts mehr erzählen. Ich habe ihr gern zugehört - sie wird uns fehlen - wir werden uns, dessen bin ich mir gewiss, dankbar an sie erinnern.

Margit Wegener


Nachruf

Prof. Dr. med. Dr. phil. Hinderk Emrich

* 2.7.1943

† 16.9.2018

 

Hinderk Emrich, unser geschätzter Kollege, der von 1996-2010 als 1. Stellvertreter im Vorstand der Internationalen Gesellschaft für Tiefenpsychologie mitgearbeitet hat, ist im Alter von 75 Jahren nach langer Krankheit am 16.9.2018 verstorben. Er war Arzt und Professor für Neurologie und Psychiatrie/Klinische Pharmakologie. Er war Psychotherapeut und Psychoanalytiker und er war Philosoph. 1972 promovierte er in Medizin für das Lehrgebiet „Molekulare Neurobiologie". 1999 promovierte er in Philosophie bei Robert Spaemann. Er beschäftigte sich auch mit Phänomenen der Synästhesie.
Er lebte in Hannover und war für die C.G. Jung-Gesellschaft dort Freund und Förderer, hatte für deren Anliegen ein offenes Ohr, engagierte sich bei Veranstaltungen, wie z.B. der „Philosophischen Nacht der Nocturnes" und war als kluger Freigeist beliebt.
Er war mehrmals inspirierender Referent beim Sylter Sommersympoisum, das von Hamburger Kollegen organisiert wurde. Dort wurde er als kluger, auch treuer Mensch, mit großer Herzensgüte wahrgenommen. Bei einer Veranstaltung der Hamburger Akademie sprach er von der „Re-formation der Reformation", was seine Beschäftigung mit der Religion zum Ausdruck bringt.
Am C.G. Jung-Institut in Stuttgart haben wir ihn in den 90iger Jahren kennengelernt und ihn mehrmals zu Vorlesungen und Seminaren eingeladen, z.B. zum Thema Depression. Ich höre ihn noch, wie er von Kirkegaard spricht, und immer hatte er auch Beispiele aus der Weltliteratur, aus der Philosophie, der Welt der Filme, der Psychotherapie und aus seiner Praxis als Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover, im Repertoire. Als Psychiater und Philosoph konnte er exzellent Brücken schlagen zwischen den Naturwissenschaften und den Geisteswissenschaften. Seine Kreativität, seine Hingabe an die geistige Welt und seine menschliche Fähigkeit zuzuhören, waren ganz besondere Stärken von Hinderk Emrich.
Auf meine Anfrage, wie es ihm geht, schrieb er im Mai d.J. „Leider bin ich im tiefsten Tal (Rezidiv)". Und kurze Zeit später schrieb Hinderk Emrich an meinen Mann:
„Wenn ich nun meine Situation als wahrscheinlich Sterbenskranker betrachte, dann nützen mir alle die schönen Begriffe über die Metaphysik so gut wie nichts. Aber Ahnung könnte weiter helfen. Im Moment der Nähe zum Loslassen von der empirischen Welt stellt sich die Frage: was gibt es denn? Was gibt es denn EIGENTLICH? Begriffe helfen hier nicht weiter. Ich denke, es gibt so etwas wie ein "Gefühl des DASEINS"; es ist ein Spüren: mich gibt es wirklich: meine Seele existiert, mein Geist existiert, ich bin keine Maschine, kein Roboter, kein Avatar. Und: ES GIBT FREUDE, ES GIBT SCHÖNHEIT! Das ist kein Wissen aber eine Ahnung, die wohl nicht trügt. Viel mehr wissen wir nicht über uns und über die Welt und über die himmlischen Mächte."
Mit diesen Worten hat Hinderk Emrich auch im Abschied von der Welt, uns und vielen anderen Menschen, noch viel zum weiter denken und hin spüren, gegeben.
Wir sind, wie so viele, dankbar, dass wir ihn kennenlernen durften.

Margarete Leibig


Nachruf

Dr. Theodor Seifert

*9.7.1931

† 27.5.2018

 

Am 27.5.2018 ist Herr Dr. Theodor Seifert im Kreis seiner Familie verstorben.

Als Gründungsmitglied, Lehranalytiker, Dozent und langjähriger Vorsitzender des C.G. Jung-Instituts Stuttgart hat er die Entwicklung des Instituts nachhaltig geprägt. In seiner beruflichen Tätigkeit als stellvertretender Leiter der Sonnenbergklinik und seinem umfangreichen ehrenamtlichen Engagement unter anderem als Leiter der Lindauer-Psychotherapiewochen wurde er zu einer bedeutsamen und international anerkannten Persönlichkeit für die Psychotherapie und insbesondere die Analytische Psychologie in Deutschland.

Mit seiner Offenheit und gütigen Freundlichkeit, mit seinem Humor und einer ganz besonderen Begabung, geistige und emotionale Tiefe miteinander zu verbinden, war er vielen Menschen Lehrer, Leitfigur und Wegbereiter - auch für mehrere Generationen von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.

Die igt galt Herrn Dr. Seifert als eine Herzensangelegenheit, wie er immer wieder betonte. Ihren Vorsitz, den er in schwieriger Zeit übernahm, hatte er von 1980-1989 inne und führte unsere Gesellschaft mit großer Kompetenz und Umsicht in eine stabile Zukunft.

Mit ihm verlieren wir einen lieben, klugen und geschätzten Kollegen, aber auch einen Freund und Begleiter. In Dankbarkeit erinnern wir uns an ihn als einen großherzigen Menschen, der Hoffnung, Zuversicht und Wertschätzung vermittelte. Unsere herzliche Anteilnahme und unsere Gedanken gelten seiner Frau und seiner Familie.

Der Vorstand der igt

K. Rößler    M. Leibig    G. Horowitz