Tagungsthema 2018

Lust auf Zukunft
Sorge - Zweifel - Zuversicht

 

lautet das Thema der diesjährigen Herbsttagung der Internationalen Gesellschaft für Tiefenpsychologie in Lindau (Bodensee).

Die Zukunft ist „ein riesiger offener Horizont (...), der langsam dahinschmilzt“, sagt der Philosoph Hans-Georg Gadamer. In Zeiten der bedrohten Ordnungen, wie wir sie aktuell erleben, halten die Systeme noch stand, aber sie wanken: das Spaltende gewinnt in der politischen Weltlage wie in den Gesellschaften wieder an Einfluss, die stetige Beschleunigung und das rasche Tempo der Technologie verlangen dem Individuum ganz neue Wandlungen ab. Vor diesem Hintergrund spannt das Bild des dahinschmelzenden Horizonts das ganze Spektrum der Zukunftserwartungen auf zwischen Angst und Hoffnung, Verheißung und Bedrohung, Sorge und Zuversicht. Aus tiefenpsychologischer Sicht ist es jedoch nicht gleichgültig für die zukünftige Entwicklung, mit welcher Haltung wir ihr begegnen. Gefühle der Angst oder Resignation gegenüber dem Kommenden können als selbsterfüllende Prophezeiungen die Gestalt der Zukunft bestimmen. Ein blauäugiges Vertrauen in „die beste aller Welten“ macht hingegen blind für ihre Gefahren. Um aus Sorge für unsere Zukunft eine offene und neugierige Haltung zu entwickeln, in der wir zu einer Lust am Neuen finden, braucht es daher auch die menschliche Fähigkeit des Zweifelns sowohl an der Schwarzseherei wie an der Perspektive der rosaroten Brille. Wenn wir bewusst mit Hoffnung und kritischem Blick, in Kontakt mit den Tiefenschichten der Psyche nach vorne schauen, sorgen wir gut für die Zukunft und müssen uns weniger um sie sorgen. Gemeinsam mit den ReferentInnen und SeminarleiterInnen der diesjährigen Tagung wollen wir uns daher mit unserer Zukunft befassen, der geistigen, der leiblichen, der ökologischen, der digitalen, der spirituellen, der seelischen und der mitmenschlichen.

Der interdisziplinäre Ansatz der Internationalen Gesellschaft für Tiefenpsychologie bietet dabei den Rahmen, uns frei von berufsspezifischen Festlegungen und aus ganz unterschiedlichen Perspektiven dem Thema anzunähern und uns in einem breiten Spektrum aus Vorträgen und vertiefenden Seminaren persönlich, beruflich und in gesellschaftlichem Engagement damit auseinanderzusetzen. Wir hoffen, in einem lebendigen Austausch gemeinsam Lust auf Zukunft zu erleben und damit auch Ihre Lust auf unsere Tagung und das diesjährige Thema zu wecken.

Es ist uns eine besondere Freude, Sie bei unserer Tagung in der neu umgebauten und zukunftsorientierten Inselhalle in Lindau begrüßen zu können.

 

Termin 2018

28.10.2018 - 01.11.2018

Die Herbsttagung des Jahres 2018 findet von Sonntag, den 28. Oktober 2018 bis Donnerstag, den 01. November 2018 in Lindau am Bodensee statt.

Für unsere diesjährige Tagung konnten wir folgende Referentinnen und Referenten gewinnen:

  • "Welches Wissen braucht die Zukunft? Lernen aus der Geschichte und beim Blick nach innen." -  Prof. Dr. Ernst-Peter Fischer, Wissenschaftshistoriker und Wissenschaftspublizist, Konstanz
  • "Zukunft und Zufall - Über die Offenheit menschlicher Biographie" - Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs, Universitätsprofessor und Philosoph, Heidelberg
  • "Liebe zum Leben - trotz allem!" - Dr. Rainer Funk, Psychoanalytiker und der Nachlassverwalter von Erich Fromm, Tübingen
  • "Die Zukunft auf der Leinwand: Mensch-Sein zwischen Kontrolle und Transformation. Von Mutanten, Diktaturen und digitalen Liebespaaren." - Prof. Dr. Julia Helmke, Generalsekretärin des Dt. Evangelischen Kirchentages, Erlangen
  • "Utopie oder Retropie" - Prof. Dr. Verena Kast, Universitätsprofessorin, Dozentin und Lehranalytikerin, St. Gallen, CH
  • "Zukunft statt Zocken. Gelebte Modelle eines humanen Wirtschaftens und Lebens von morgen" - Dr. Wolfgang Kessler, Chefredakteur Publik-Forum, Rosbach
  • "Populäre Spiritualität – Achtsamkeit als neue Religion?" - Prof. Dr. Andreas Nehring, Universitätsprofessor Religions- und Missionswissenschaft, Erlangen
  • "Virtuelle Identität und mediales Fragment: Visuelles Erzählen im digitalen Zeitalter" - Prof. Dr. Roland Rosenstock, Universitätsprofessor, Theologe und Medienpädagoge, Greifswald
  • "„Ich spiele, also werde ich“ Sandspiel als Zukunftsraum" - Anke Seitz, Analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Rottenburg